Kein anderes Verhaltensmuster bringt so viele medizinische, soziale und rechtliche Probleme mit sich wie der Konsum von Alkohol.

Im Gegensatz zu anderen toxischen (giftig) Stoffen mit hohem Mißbrauchpotential (z.B. Tabak) kommt es im Verlauf einer Alkoholikerkarriere zunächst meist nicht zu gesundheitlichen Schädigungen, sondern zu negativen sozialen Auswirkungen. Sie betreffen sowohl den Konsumenten selbst (z.B. Führerschein- verlust) wie auch das soziale Umfeld (Famlie und Beruf).

Ca. 80% aller verübten Straftaten werden unter Alkoholeinfluß begangen.

Nach dem Konsum von größeren Mengen Alkohol werden Denkprozesse, Sprache und Wahrnehmung beeinträchtigt. Weiter können Koordinationsstörungen und Gedächtnisverlust auftreten. Manche Men- schen werden unter Alkoholeinfluß depressiv, andere werden aggressiv. Alkohol bewirkt eine indi- viduelle Wirkung, hauptsächlich wirkt er sich jedoch euphorisierend, erheiternd, anregend aus. Höherer  (die Menge die der Einzelne verträgt ist individuell unterschiedlich) Alkoholkonsum führt zu einer Trennung der Affekte (Gefühle):

auf der einen Affektseite: aggressive Redseeligkeit, überzogene Selbstüberzeugtheit, Handgreiflich- werden,

auf der anderen Affektseite: Entwicklung von Rührseeligkeit (Weltschmerz) und Depressionen bis hin zum Verstummen.

Weitere Auswirkungen des Alkohol können sein: Enthemmung, Streitbarkeit, Aggressivität, Affektlabilität, Aufmerksamkeitstörungen, Lauf- & Standunsicherheit, verwaschene Sprache, Bewußt- seinsstörungen. In höheren Dosen ist die Koordination gestört (Lallen, Taumeln) bis hin zur Bewußt- losigkeit, Atemstillstand, Unterkühlung, Erfrieren usw.

Alkoholiker haben eine besonders hohe Suizidgefährdung . Etwa 20% aller Suizidtoten  sind Alkoholiker. Das bedeutet, daß bei Alkoholikern die Lebenssuizidrate 60 bis 120 mal so hoch ist wie bei Nicht-Alkoholikern.

Die Unterscheidung vom Alkoholmissbrauch und Alkoholgenuß sind nicht eindeutig abzustecken, da sie häufig fließend verlaufen. Der Eine trinkt gegen seinen Alltagsfrust täglich eine Flasche Bier oder Wein und ist damit schon in der Missbrauchspirale. Bei einem Anderen fängt es erst an, wenn er im Vollrausch ist. Nicht unbedingt jeder Mensch wird abhängig, weil er einen hohen Alkoholkonsum über längere Zeit hat. Zu den wesentlichen Voraussetzungen einer Suchtentwicklung zählen die Faktoren Mißbrauch (= falscher, vom üblichen Gebrauch bzw. ursprünglich gesetzten Zweck abweichender Gebrauch), Gewöhnung (psychische Abhängigkeit) bzw. Toleranzerwerb und Abhängigkeitsbildung (körperliche Entzugserscheinungen).

Als organisch bedingte psychische Störungen werden die Alkoholhalluzinose, die alkoholbedingte amnestische Störung (Korsakow-Syndrom) und die Demenz bei Alkoholismus betrachtet. Der Anteil behandlungsbedürftiger Konsumenten liegt zwischen 2% und 7%, 14% der Männer und 5% der Frauen sind als alkoholgefährdet einzuschätzen, wobei sich das Verhältnis Männer zu Frauen innerhalb der letzten 30 Jahre von 20:1 auf 2:1 verschoben hat.

Es gibt kaum ein Organsystem das nicht durch den Alkoholmißbrauch geschädigt wird.

Die meisten Alkoholiker sind erst unter großem Leidensdruck zu einem Entzug bereit, da den aller- meisten Alkoholikern die Krankheitseinsicht fehlt.

Die Entgiftung sollte unter ärztlicher Aufsicht im geschlossenen Entzug erfolgen. Hier werden dann die schlimmsten Entzugserscheinungen mit Hilfe von Medikamenten gelindert. Entzugserscheinungen können sein: Tremor, Schwitzen, Übelkeit, Zittrigkeit, Brechreiz, Ängstlichkeit, Blutdruckschwankungen u.a.

Die anschließende Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe kann dem Alkoholiker sehr hilfreich sein, besonders in Hinsicht auf einen evtl. Rückfall.

Typologisierung der Alkoholismusformen nach Jellinek:

Art des Alkoholismus

Typus

Abhängigkeit

Kennzeichen

Alphatyp                “Trinkt nicht bis zur Gesichtslähmung”

Konflikttrinker/Problem- trinker, trinken vor allem aus psychologischen Grün- den (Ärger, Überlastung, Überforderung)

phasenweise psychisch

kein Kontrollverlust, Abstinenzfähigkeit

Betatyp              “immer öfter”

übermäßiger Gelegenheits- trinker, trinkt vor allem aus aus sozialen Gründen (beruflich, Kameradenkreis, Sport, Clubleben)

keine

kein Kontrollverlust, Abstinenzfähigkeit

Gammatyp “Tippelbruder”

klassicher, süchtiger Alkoholiker der die Kon- trolle über die Trinkmenge verloren hat. Der Gamma- typ ist nicht mehr in der Lage jederzeit aufzuhören, er ist allerdings in der Lage eine Zeitlang abstinenz zu sein (wodurch der Gamma- typ in seinen Gedanken fehlgeleitet wird, daß das Trinken beherrscht wird). 

   zuerst seelisch,    dann körperlich

Kotrollverlust, temporäre Abstinenz möglich

Deltatyp      “Pfälzischer Weinbauer”

Gewohnheitstrinker, der die Kontrolle über den Trink- zeitpunkt verloren hat. Er muß ständig dafür sorgen, daß ein ausreichender Alkoholspiegel Entzugser- scheinungen vermeidet und seine Funktionsfähigkeit sicherstellt.

körperlich

 kein Kontrollverlust, Abstinenzunfähikeit

Epsilontyp “Quartalssäufer”

episodisches Trinken, Dispomanie (periodisch, dranghafte Neigung zum Trinken), der Epsilontyp trinkt, wenn es zu inneren Spannungszuständen und Verstimmungen kommt. Nach dem Abklingen solcher Episoden folgen mehr oder weniger lange Zeiträume, in denen kein oder nur im mäßigen Ausmaß Alkohol getrunken wird.

seelisch

 Kontrollverlust, Abstinenzfähigkeit

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